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Rendez-Vous mit einer Weltfrau

Auf „Komm in mein Leben“ singst Du bis auf einen Song ausschliesslich deutsch. Du erlaubst, dass das eher überraschend kommt?

Natürlich haben viele nach dem Erfolg von „Alles scho mal ghört“ damit gerechnet, dass mein neues Album schweizerdeutsch sein würde. Oder englisch, wie man es von meinen bisherigen Solo-Alben kannte. Meine deutschen Arbeiten für Sabrina Setlur, Xavier Naidoo und Fettes Brot sind in der Schweiz wohl etwas weniger bekannt. Dadurch habe ich aber eine starke Beziehung zu deutschen Texten bekommen und so ist das Material für „Komm in mein Leben“ entstanden. Ich kann’s nicht genau erklären, aber das ich jetzt deutsch singe, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. „Come into my life“ oder „Chumm i mis Läbe“ war irgendwie nie ein Thema.

„Komm in mein Leben“ klingt nach einem sehr intimen Album. Ist Dein neues Werk ein musikalischer Seelen-Striptease?

Natürlich gebe ich viel von mir preis. Durch die deutschen Texte kann ich mich zudem nicht hinter irgendwelchen englischen Floskeln verstecken oder darauf hoffen, dass die Menschen nicht ganz so genau verstehen, was ich eigentlich singe. Wer mich kennt, weiss aber, dass ich ein sehr offener Mensch bin. Wer sich für mich interessiert, hat auch das Recht, einiges über mich zu erfahren. Und dann bleibt ja noch die künstlerische Freiheit, die es einem erlaubt, die Wirklichkeit da und dort etwas spannender zu machen, als sie wirklich ist. Schliesslich ist mein Leben auch kein 24-Stunden-Krimi…;-)

Du hast vier Jahre lang in Los Angeles gelebt. Hat Dich diese Zeit musikalisch beeinflusst?

Ganz sicher – auch persönlich. Aber vielleicht nicht so, wie man das typischerweise erwarten würde. Los Angeles ist nicht nur Sinnbild für den American Way of Life, sondern auch ein Schmelztiegel der künstlerischen Kulturen. Dadurch hat sich für mich die Gelegenheit ergeben, meine Leidenschaft für World Music auszuleben. Ich habe vor allem mit Musikern aus arabischen Ländern in verschiedenen Projekten zusammengearbeitet. Das ganze war von einer unbändigen Neugier und einer unbelasteten Kreativität geprägt. Nach 9/11 hat sich das leider schlagartig verändert; die Sängerin und ihre Freunde mit den orientalischen Wurzeln waren plötzlich vielen suspekt. Die Zeit für den Aufbruch war gekommen. Gleichzeitig war „Alles scho mal ghört“ in der Schweizer Hitparade und ich wollte mit Bligg auf Tour gehen. Es gab also mehr als einen Grund, um nach Europa zurückzukehren.

„Komm in mein Leben“ erscheint genau zehn Jahre nach Deinem Debüt-Album „Can We Talk“. Was bewegt Dich, wenn Du zurückdenkst?

Natürlich der Gedanke an den Moment, in dem ich zum ersten Mal realisiert habe, dass mein Traum, Sängerin zu sein, wirklich wahr geworden ist. Und dann die Umstände, wie das von aussen wahrgenommen und wiedergegeben worden ist: Ich wurde von den Medien zum Paradebeispiel der integrierten, attraktiven und erfolgreichen Multikulti-Frau hochstilisiert. Dieser Rolle gerecht zu werden, war nicht immer einfach, zumal ich keine Vorbilder zu Rate ziehen konnte, die einen ähnlichen Hintergrund hatten. In diesem Punk war jeder Schritt „ein erstes Mal“. Heute aber merke ich, dass mir mein Weg nicht nur die Möglichkeit geschaffen hat, mich musikalisch auszudrücken. Ich bekomme auch Gelegenheit, mich zu Dingen zu äussern, die mich gesellschaftlich und kulturell bewegen.


Mit dem Titel „Salla“ auf Deinem neuen Album machst Du genau von einer solchen Gelegenheit Gebrauch. Was hat es mit diesem Song auf sich?

Auf die Gefahr hin, falsch verstanden zu werden: „Salla“ ist ein Frauensong – aber kein feministischer, sondern ein humanistischer. Sorry, aber machmal scheinen gewisse Leute einfach zu vergessen, dass Frauen auch Menschen sind. Die westliche „Kopftuch-ja-nein-Diskussion“ beispielwiese reduziert muslimische Frauen auf die Trägerinnen eines religiösen Symbols. Die orientalische Weiblichkeit bleibt völlig aussen vor. Und die lebt und brodelt – Kopftuch hin oder her. Diesem Temperament und dieser Lebensfreude wollte ich über die Kulturen und Generationen hinweg eine Stimme geben. Wer genau hinhört, wird auch meine Mutter auf „Salla“ hören. „Salla“ lässt sich übrigens am besten mit dem englischen „shake it“ übersetzen.

Das türkisch-schweizerische Luusmeitli aus Lupfig ist nach Deutschland, England und den USA zurück in der Schweiz. Bis Du zu Hause angekommen?

Die Tatsache, dass ich hier aufgewachsen bin und meine Familie und Jugendfreunde hier wohnen, macht die Schweiz tatsächlich zu einem besonderen Ort für mich und ist vielleicht ausschlaggebend für das Gefühl, sich zu Hause zu fühlen. Allerdings waren die bisherigen Stationen in meinem Leben alle nur vorläufig endgültig, ich kann also nicht ausschliessen, dass es mich irgendwann wieder für kurz oder länger wegzieht. Ich habe mit keinem der Orte, an denen ich gelebt habe, gebrochen. Meine nähere Zukunft findet aber mit Album-Release und Tour auf jeden Fall in der Schweiz und in Deutschland statt.

Du hast beachtliche Erfolge im Ausland erzielt, hast in Deutschland mit den erfolgreichsten Soul-Acts und Produzenten gearbeitet, Songs geschrieben, die in den US-Charts waren und warst als erste europäische Sängerin auf „Soul of MTV“ zu sehen. Sind diese Erfolge in der Schweiz genügend gewürdigt worden?

Darüber habe ich nie so genau nachgedacht. Die „Milchbüechlirächnig“ liegt mir nicht – und zum „chlööne“ wäre ich bei einem negativen Ergebnis auch nicht der Typ. Ich kann mich heute wie damals über jeden freuen, der sich für meine Musik interessiert – egal in welchem Land. In den letzten zehn Jahren sind mir sicher auch in der Schweiz viel mehr Türen geöffnet als zugeschlagen worden. Und den Erfolg von „Alles scho mal ghört“ kann ich auch heute noch geniessen. Soweit also keine bad feelings. Doch zugegeben: Die Schweiz am Eurovision Song Contest in Istanbul zu vertreten, wäre schon spannend gewesen…

Die Arbeiten zu „Komm in mein Leben“ haben fast drei Jahre gedauert. Ist die Emel, die darauf zu hören ist, bereits wieder Geschichte?

Nein, dann könnte ich „Komm in mein Leben“ gar nicht veröffentlichen. Ich bin keine Affekt-Musikerin, die aus einem Dutzend Alltagserlebnissen ein Album schreibt und zwei Monate später genau das Gegenteil von dem denkt oder macht, was auf dem Album zu hören ist. Ich glaube meine grundsätzliche Einstellung zum Leben und die Werte, die ich damit verbinde, haben sich nicht verändert, vielmehr gefestigt. Meine musikalischen Interessen sind und bleiben vielfältig. Und das ist hoffentlich auf „Komm in mein Leben“ zu hören.
"Komm in mein Leben"
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17.06.09
ZKO meets Emel
Kaufleuten Zürich
20:00 Uhr